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Da befindet man sich nunmehr keine acht Tage im Land der unbegrenzten Möglichkeiten
und darf mehr oder weniger freiwillig erste Erfahrungen in Sachen "Vernehmung" durch Beamte des
örtlichen S.F.P.D. sammeln. Was war passiert?
Auf der gemeinsamen Heimfahrt mit meinem Chef passierte es, daß wir an einer Kreuzung
im Mission District von einem Pick-Up Truck rückseitig fast ungebremst gerammt wurden. Da der
Fahrer des Trucks uns ein zu auffälliges Verhalten zeigte, riefen wir über die Notrufnummer "911" die S.F. Police
zum Unfallort. Als der Verursacher dies bemerkte, erinnerte er sich wohl spontan an noch ein paar
Besorgungen, die er zu erledigen hat. Ein aus der Seitenstraße kommenendes Police Car konnte dies
glücklicherweise verhindern.
Noch zwei weitere Streifenwagen trafen kurze Zeit später ein, sicherten den Tatort ab und begannen,
den Unfallhergang zu rekonstruieren. Hierzu wurden auch wir getrennt befragt und unsere Personalien
sowie mein Reisepass aufgenommen. Mehr Probleme hatte der andere Fahrer: da er den ersten
Alkoholtest nicht bestand und wohl auch beim Verhör keinen allzu guten Eindruck hinterlies, wurde er
schließlich verhaftet und für längere Zeit arrestiert. Die Polizeibeamten verrichteten im übrigen ihren Job sehr gewissenhaft,
akkurat und freundlich. Desweiteren wird man sehr gut mit allen notwendigen Informationen
versorgt - alles in allem sehr professionell.
Letztlich bleibt noch offen, ob der Verursacher eine notwendige Haftpflichtversicherung besitzt.
Bis dahin muß man sich mit der eigenen Versicherung herumschlagen, welche den Braten bereits gerochen hat
und vehement versucht,
um alle möglichen Kosten (wie Mietwagen, etc.) einen großen Bogen zu schlagen.
Daher ist man gut beraten, sich dies nicht gefallen zu lassen, und etwas Druck auf die
Damen im Callcenter auszuüben.
Über generelle Gepflogenheiten im amerikansichen Verkehr komme ich an späterer Stelle zurück.
San Francisco zählt zu einer der wenigen amerikanischen Städte, welche über ein hervorrgend ausgebautes ÖPNV-System verfügt und man daher im Stadtgebiet selbst kein Auto als Fortbewegungsmittel benötigt. Im Nachverkehr verbindet die BART (Bay Area Rapid Transit) als immer noch eine der modernsten Untergrundbahnen der Welt die Ost und Westseite der Bayarea, einschließlich San Francisco selbst. Die BART-Stationen präsentieren sich in einem sehr sauberen Zustand und sind wie auch die Züge behindertengerecht ausgestattet (Fahrstühle, niveaufreier Zugang zu den einzelnen Car Trains ("Waggons"), speziell vorgehaltene Plätze in den Car Trains für Rollstuhlfahrer und behinderte Manschen). Tickets erhält man an einen der zahlreichen Automaten in den Stationen. Zu große Geldscheine können an einem weiteren Automaten in 5-Dollar-Noten gewechselt werden. Leider gibt es keine Monatskarten und obwohl man offiziell den Fahrpreis nach Meilen entrichtet, wird bei Anwahl des Flughafens (SFO) kräftig an der Preisschraube gedreht. Der Zugang zu den Gleisen erfolgt über Barrieren (Schleußen, ähnlich Paris, Moskau, Berlin,...). An vielen Zugängen finden sich Info-Terminals, wo Mitarbeiter Fragen rund um dieses Transportmittel beantworten. Die Züge selbst werden komplett von der Leitstelle am Lake Merrit in der Nähe von Oakland ferngesteuert. Der Zugführer dient nur noch zur "Beruhigung" der Fahrgäste und sagt die einzelnen Stationen an, da Infodisplays im Zug selbst nicht vorhanden sind. So locker, lässig und cool die Durchsagen einem oft ins Ohr flattern möchte man meinen, daß der ein oder andere in seinem Zweitjob DJ ist. Der Zug verkehrt teils ober- als auch unterirdisch. In den Zügen selbst sitzt man fast wie auf der guten alten Wohnzimmer-Couch. Möglicherweise aufgrund der Ereignisse des 11. Septembers trifft man überall auf Hinweise, seine Umgebung immer genauestens im Blick zu behalten und Verdächtiges (wie z.B. herrenlose Taschen) sofort zu melden.


Überhaupt ist man sehr auf das "Wohl" des Fahrgastes bedacht. So wird man stets sofort informiert und entschuldigt sich, wenn man wegen "Staus" auf der Strecke halten muß oder es zu unplanmäßigen Stops kommt. Bei schlechtem Wetter wird darauf hingewiesen, beim Austeigen vorsichtig zu sein und das man bitte die Tickets nicht naßwerden läßt, um später Probleme an den Barrieren beim Verlassen der Station zu vermeiden. Auch wird man spätestens hier beim Verlassen hingewiesen, ob man an den "AdFare-Maschinen" nachbezahlen muß.


Neben der BART kann man im Stadt- und Nahverkehr auf die Verkehrsmittel der MUNI ("San Francisco Municipal Railway") zurückgreifen. welche für die Bereitstellung von öffentlichen Transportmitteln zuständig ist: MUNI Metro, Straßenbahnen, Busse, Streetcars (historische Straßenbahnen) und auch die Cable Cars werden hiermit betrieben. Für den Nah- und Fernverkehr steht weiterhin CALTRAIN zur Verfügung. Fähren bieten die Möglichkeit zu Über- und Rundfahrten in der "Bay" aber auch für eine Besichtigung um und auf Alcatraz. Mit den Fernverkehrsbussen der Greyhound Lines, Inc. kann man auch weitere Teile des Umlandes von San Francisco oder der USA erkunden. Taxis sind neben exklusiven Limousinendiensten wohl mit eine der teuersten Fortbewegungsmittel in S.F. Bei Fahrten zu später Stunde oder in abgelegenere oder unsichere Stadtviertel sollte man aber hierauf zurückgreifen. Noch ein kleiner Hinweis: anders als z.B. in Kiev ignorieren Taxifahrer oftmals Winkzeichen, wenn man am Straßenrand steht.
Was in der dritten und vierten Woche so alles geschah, kann man hier weiterlesen...
| © 2005, 2006 Torsten Mann, Pfingstbrunnenstr. 10, 65760 Eschborn. | Letzte Aktualisierung: 09. Juli 2006 |